Standort-Bild Nr.: 1
  Günter Kunert, 2002, Gips für Bronze, H 32,5 cm

Christian Höpfner

Die Kunst ist einen langen, sehr langen Weg gegangen, bis sie partiell in Unkunst verkam. Als ich das erste Mal die »Honigpumpe« erblickte, fragte ich zurückhaltend, welche Sorte Honig hier durch die Röhren blubberte, und ob ich mich (und meine Mitmenschen) darin wiedererkennen könne. Ich wurde mit Missachtung gestraft, eine Strafe, die ich sofort akzeptierte. Ein noch seltsameres Erlebnis ergab sich im Goethe-Institut in London, wo in einem Raum an einer Wand eine Reling befestigt war, auf die meine Frau ihre Zigarette ablegte, woraufhin ein Mensch herbeistürzte, weil, wie er erklärte, sein Kunstwerk geschändet worden sei. Ich bin auch schon mal mit Hitler verglichen worden, weil ich eine seltsame Postkarte seltsam fand: Ich wäre ein Vertreter der »Entarteten Kunst«. Nun - Kunst kann nicht entarten. In ihren vielen Spielarten bleibt sie doch menschlich und dem Menschenbild getreu. Zwischen Arno Breker und dem „Schwarzen Quadrat“ ist viel Raum in meines Vaters Haus, wie die Bibel weiß. Nur sollte das, was uns menschlich ist. nicht dem Orkus anheimfallen. Der Realismus kennt viele Spielarten, alle sind an unser Sein, an unsere Erscheinungsform gebunden, und wer dieses Apodiktum negiert, hat selber Schuld.   
Christian Höpfner ist ein Menschenbildner, wie es seit tausenden von Jahren üblich, richtig und wichtig gewesen ist. Stellen wir uns doch mal vor, die Nike von Samothrake bestünde aus einem Drahtgestell, mit etwas Beton gefüllt. Unsere europäische, ach, nicht nur die europäische, die menschheitliche Bildende Kunst hätte sich vom Anbeginn an im puren Material manifestiert: wie arm wären wir bis heute gewesen. Die Armut haben wir erst heute, dank der Kunsthändler und Museumsblinder, denen die Bedeutung für den Erhalt der schöpferischen Gestaltung unseres Eigenen, unserer Persön-lichkeit, unserer Individualität abhanden gekommen ist. Höpfner sei Dank, sich dem grassierenden Schwachsinn zu enthalten. Salut, Höpfner !   
Günter Kunert. 20.07.2003   


Standort-Bild Nr.: 2
  Schwebende, Gips für Metallguss